"Was tut man bei einem medizinischen Notfall? Kinder bekommen im Prinzip dasselbe beigebracht wie Erwachsene: Als Ersthelfer soll man versuchen; die akute Notlage unter Kontrolle zu bekommen, und so schnell wie möglich professionelle Hilfe herbeirufen.
Die Kinder, die im Erste Hilfe Kurs des Roten Kreuzes im Kinder und Jugendzentrum Diezenhalde sitzen, kennen viele Situationen aus ihrem Alltag, in denen es zu Unfällen kommen kann. "Wenn jemand im Verkehr angefahren wird", "wenn jemand vom Pferd fällt", "wenn jemand einen Herzinfarkt kriegt", so zählen sie auf. Jedem von ihnen kann es einmal widerfahren, mit einem Notfall konfrontiert zu werden.
Etwa 20 Teilnehmer sind zu dem Kurs gekommen, der speziell für Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren angeboten wird. Die Kursleiter Uschi Brenner und Markus Scheurenbrand fangen bei ihren Erklärungen mit konkreten Tipps an: etwa, was man tut, wenn sich jemand einen Knochen gebrochen hat - nämlich, den Verletzten hinlegen and den betroffenen Körperteil ruhig stellen, dass man bei offenen Verletzungen möglichst schnell die Wunde abdecken sollte and das Herausziehen von eventuell eingedrungenen Fremdkörpern tunlichst dem Arzt überlassen sollte.
Neben dem Umgang mit kleineren Verletzungen sollen die Kinder aber besonders das prinzipielle Verhalten bei einem Notfall erlernen. Dazu gehört, dass man als Erstes den Verletzten anspricht und ihn sich genau ansieht, um festzustellen, ob er bei Bewusstsein ist und was für Verletzungen er erlitten hat. Dazu gehört aber auch das richtige Hilfeholen. Denn bei einem Notruf, erklärt Scheurenbrand, sollte man immer die "fünf W" im Kopf behalten: Was ist passiert, wo ist der Unfallort, wie viele Personen sind verletzt, welche Art von Verletzungen haben sie? Das fünfte W, so sagen die Kursleiter, ist das wichtigste: Warten! Und zwar darauf, ob es von der Notrufstelle noch Rückfragen gibt, etwa zum Unfallort. Es kommt nämlich vor, dass Anrufer vorschnell wieder auflegen und vergessen haben, wichtige Details mitzuteilen.
Mit diesem Wissen ausgestattet, sollen die Kinder im Falle eines Falles besonnen reagieren. In allen Lebensbereichen können sie Notfällen begegnen. Darum, erläutern die Mitarbeiter des Roten Kreuzes, ziele der Kurs nicht nur auf Freizeit und Sport ab, sondern auch auf den häuslichen Bereich. Durchaus könne es vorkommen, dass der Großvater zu Hause einen Schlaganfall bekommt und nur der Enkel ist dabei.
Dis jetzt gibt es nur wenige Angebote im Bereich der ersten Hilfe für Kinder. Zwar können junge Menschen in die Ortsvereine des Roten Kreuzes eintreten und dort eine einschlägige Ausbildung erhalten. Außerhalb der Vereine ist das Angebot für die Kleinen jedoch dürftig. Deshalb sollen jetzt vermehrt Kurse speziell für Kinder veranstaltet werden, kündigt Scheurenbrand an. Der Kurs in der Diezenhalde, der gestern stattfand, ging auf die Initiative des dortigen Kindertreffs und der Stadtteilbibliothek zurück.
Als Attraktion wurde den Kindern gestern ein Rettungswagen von innen gezeigt. So erhielten sie zusätzlich einen Einblick in die Arbeit der professionellen Lebensretter."
04.04.2001, Stuttgarter Zeitung, Michael Pfizenmaier

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